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Der bewegungslose Ball

14. Dezember 2014

Der Ball lag im Garten und langweilte sich. Er lag schon viele Tage an demselben Ort und niemand beachtete ihn.

In der Früh sah er immer die aufgehende Sonne und freute sich über sie. Er hoffte bei jedem Sonnenaufgang, dass jemand zu ihm kommen und mit ihm spielen würde. Aber jeden Tag verfolgte er die Sonne vom Aufgang bis zum Untergang und lag einsam im Garten.

Immer wenn ein Vogel im Garten landete, hoffte der Ball, dass der Vogel zu ihm kommen würde und ihn schubsen würde. Doch kein Vogel kam ihm auch nur in greifbare Nähe.

Immer wenn er einen Wind spürte, hoffte er, dass dieser stärker werden würde, ihn ein wenig anstoßen und in Bewegung bringen würde. Doch nie war der Wind stark genug dafür.

Immer wenn es regnete, wünschte sich der Ball so eine Menge Wasser, dass er auf einem kleinen Bach treiben und sich ein wenig bewegen würde. Doch regnete es nie besonders viel und der Ball spürte kaum Tropfen auf sich.

Der Ball beobachtete jeden Tag die Bewegungen der Sonne, die fliegenden und hüpfenden Vögel, die sich durch den Wind bewegenden Blätter und die aus den Wolken fallenden Tropfen des Regens. Alles bewegte sich, nur er lag die ganze Zeit still neben einem kleinen Busch.

Eines Tages kamen plötzlich zwei der Menschen aus dem Haus, der Große und der Kleine. Der Ball freute sich, denn diese beide hatten schon sehr oft mit ihm gespielt. Sie hatten immer Freude an ihm gehabt und ihn immer lange, lange Zeit in Bewegung gehalten.

Doch sie kamen nicht zu ihm. Sie trugen einige Stangen durch den Garten. Der Große und der Kleine steckten diese Stangen irgendwie aneinander und stellten das Ganze in das Gras. Danach befestigten sie das Gestänge mit Metallheringen in der Erde und verzierten es mit einer Schnur, einer Schnur mit vielen Maschen. Daraufhin freute sich der Kleine und meinte, sie seien fertig. Der Große sagte, dass das fast so sei und sie jetzt den letzten Teil noch suchen müssten.

Der Große schickte den Kleinen in die Gartenhütte. Der Ball versuchte sich zu recken, um ihm nachzusehen. Doch konnte er sich nicht bewegen. Da kam der Kleine wieder aus der Hütte und sagte seinem Vater mit schüttelndem Kopf, dass er ihn nicht gefunden hatte. Der Ball versuchte sich zur Gartenhütte zu bewegen, doch kam er keinen Millimeter weit. Beide Menschen verschwanden auf der anderen Seite der Tür und kamen nach kurzer Zeit nachdenklich zurück. Der Vater sagte seinem Jungen, dass sie wohl im Haus suchen müssten. Der Ball wollte unbedingt mit ihnen mit, doch er konnte sich nicht rühren und blieb bewegungslos im Gras.

Nun schien die Sonne so stark auf den Ball wie noch nie. Ihm wurde ganz warm und sein weißer Mantel leuchtete so hell wie sonst nichts im Garten. Da drehte der Ball seine Augen zur Sonne und fragte sie, ob sie wisse, wo er sei, der letzte Teil. Die Sonne gab ihm keine Antwort und hörte auf auf ihn zu leuchten.

Ein großer Vogel landete gleich neben dem Ball und sah ihn an. Sein langer Schnabel berührte ihn. Da fragte der Ball den Vogel, ob er wisse, wo er sei, der letzte Teil. Der Vogel drehte seinen Kopf weg vom Ball, öffnete seine Flügel und flog davon.

Der Wind blies stark und brachte den Ball zum Rollen. Gleich zu Beginn fragte der Ball den Wind, ob er wisse, wo er sei, der letzte Teil. Der Wind verschwand und der Ball rollte den kurzen Weg zurück an seine tieferliegende Stelle.

Nun fing es an zu regnen. Viele riesige Tropfen klatschten auf den Ball. Da drehte der Ball seine Augen zu den Wolken und fragte sie, ob sie wüssten, wo er sei, der letzte Teil. Niemand antwortete ihm und der Regen hörte auf.

Da gab der einsame Ball auf und versuchte nicht mehr sich zu bewegen. Langsam schloss er seine Augen.

Der Ball hörte es, als die Tür des Hauses wieder geöffnet wurde und der Große zu dem Kleinen sagte, dass sie nun nochmals im Freien schauen würden. Der Ball lauschte ihnen, ohne sich zu rühren. Kurz darauf erwähnte der Große, dass sie wahrscheinlich einen neuen Ball besorgen müssten, denn sie hätten jetzt wirklich schon überall gesucht und den alten nicht gefunden.

Dies ließ den Ball sofort seine Augen öffnen und erneut strengte er sich an. Er wollte sich unbedingt bewegen und den beiden zeigen. Es war doch er der letzte Teil! Er bemühte sich zu strecken, doch er war ein bewegungsloser Ball.

Der Ball bewegte seine Augen ganz nach oben und sah dabei einige dunkle Wolken. Gleich richtete er auch seine Worte an die Wolken und sagte ihnen: „Liebe Wolken. Bitte helft! Die Menschen suchen mich und können mich nicht finden. Bitte helft mir und lasst mich zu den beiden schwimmen.“ Daraufhin schoben sich die Wolken zusammen und ließen es stark regnen. Das Wasser sammelte sich in dem kleinen Loch, in dem der Ball lag und dieser begann darin zu treiben.

Der Ball richtete seine Worte an den Wind und sagte: „Lieber Wind. Bitte hilf! Die Menschen suchen mich und können mich nicht finden. Bitte hilf mir und den beiden und wehe mich zu ihnen.“ Daraufhin begann der Wind stark zu blasen und ließ den Ball einige Meter über den Rasen rollen.

Danach richtete der Ball seine Worte an einen Vogel und sagte: „Lieber Vogel. Bitte hilf! Die Menschen suchen mich und können mich nicht finden. Bitte hilf ihnen und mir und rolle mich zu den beiden.“ Daraufhin hüpfte der Vogel zum Ball und schubste ihn ein paar Mal an.

Der Ball lag nun offen in der Mitte des Gartens und richtete da seine Worte an die Sonne und sagte: „Liebe Sonne. Bitte hilf! Die beiden Menschen suchen mich und können mich nicht finden. Bitte hilf uns und scheine stark auf mich, damit sie mich gut sehen.“ Daraufhin begann die Sonne stark auf den Ball zu scheinen und ließ ihn leuchten. Ganz hell lag der weiße Ball mit glänzenden Tropfen auf dem grünen Gras.

Der Große und der Kleine standen mit gesenkten Köpfen bereits vor der Tür des Hauses. Der Große hielt mit der einen Hand die Klinke und die andere lag auf der Schulter seines Sohnes. Da drehte der Kleine nochmals seinen Kopf und sah in den Garten. Sofort erhellte sich sein Gesicht und seine Augen glänzten. Da lag er, der gesuchte letzte Teil, der tolle, leuchtende Ball 🙂

Drei Punkte

15. September 2013

Als wir uns kennenlernten
Sah ich den ersten Punkt
Habe ihn gleich an mich gerissen
Nach kurzer Zeit sah ich dann drei

Ich verliebte mich in die so sehr
Verbrachte jeden Tag mit ihnen
Will sie immer noch jeden Tag sehen
Doch wendet sich nun ab die Trägerin

Einen Punkt werde ich selten erspähen
Die beiden anderen hoffentlich
Noch immer sehr sehr oft
Sie sind das wichtigste in meinem Leben

Meine Häscherin

20. Juni 2013

Meine Häscherin

(A. Miklautsch, 26 VII 1993)
 

Ich habe dir nicht nachgestellt,
Und doch hast du mich gefunden.
Hast du mich noch nicht genug gequält?
Nicht schon zugefügt genügend Wunden?
Ich bitte dich, lass von mir ab,
Ich dir doch schon alles gab.
Nun habe ich nichts mehr,
Was ich könnte geben her.
Darum flehe ich dich an,
Erlöse mich von deinem Bann!
Hebe dich hinfort von hier
Und lass wenigstens mein Leben mir!

Sag es doch!

3. Juni 2013

Sag es doch!

(A. Miklautsch, 16 III 1993)
 

Ich könnte gar nicht klagen,
Wenn du würdest sagen:
“Komm, komm mit mir
Dann zeig ich’s dir.
Ich führ dich in ein Land,
Das du bisher noch nicht gekannt.
Jetzt will ich’s dir zeigen!
Dort hängt alles voller Geigen.
Um es genauer zu beschreiben,
Dazu fehlen mir die Worte.
Doch deswegen sollst du nicht hier alleine bleiben.
Auch nicht, weil es gibt viele solcher Orte!
Es können nur je zwei Menschen an einen solchen Ort
Und sollten bleiben möglichst lange dort.
Nun will ich mit dir da hin!“
Doch leider kommt dir nie so was in den Sinn.

Wir alle sind Gefangene

9. Dezember 2012
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Wir alle sind Gefangene

(A. Miklautsch, 13 III 1993)
 

Auch Dich hält sie gefangen!
Du kannst ihr nicht entkommen,
Hast Du es Dir auch so sehr vorgenommen.
Das ist ein zu schweres Unterfangen.
Du wirst es niemals schaffen
Ihr zu entfliehen.
Am Ende wirst Du flehen, vor ihr knien.
Doch sie wird auch Dich von Hinnen raffen.
Vor ihr sind alle gleich,
Egal ob arm, ob reich.
Sie macht da keinen Unterschied
Und nimmt uns alle mit
In ihre Ewigkeit.
Die Zeit.

Vorrang der Freiheit

9. November 2012

„Freiheit (lateinisch libertas) wird in der Regel verstanden als die Möglichkeit, ohne Zwang zwischen verschiedenen Möglichkeiten auswählen und entscheiden zu können.“  [Wikipedia]

Vorrang der Freiheit

Der Freiheit muss man Vorrang geben

Da mein Erstlingswerk das Thema der Freiheit behandelt, stellen sich mir noch einige Fragen diesbezüglich. Es gibt ja eine Vielzahl an Freiheiten. Zum Beispiel kann man die Gleitzeit seiner Arbeit als Freiheit ansehen, oder das Fahren in einem Pkw anstatt in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ebenfalls kann einem die Entscheidungsfreiheit bei der Auswahl aus einer Menge ungelesener Bücher gefallen ;). Mich würde interessieren, welcher Freiheit ihr den absoluten Vorrang gebt.

Welche Freiheit gefällt euch am besten?

Häufig gestellte Fragen

24. Oktober 2012

Da ich zu Entlassen – Und endlich in Freiheit recht oft über etwas gefragt werde, antworte ich hier auf die am häufigsten gestellten Fragen:

  • Wie sind Sie auf diesen ungewöhnlichen (Reim-)Stil gekommen?
    Ich kann mich nicht mehr so richtig an die Wahl dieses Stils erinnern. Ich denke, dass ich mit dieser Kurzgeschichte während meiner Vorbereitung auf meine Matura begann, wofür ich nochmals Goethes Faust durchlas.
  • Warum gibt es bei dieser Geschichte ein alternatives Ende?
    Der Grund liegt darin, dass ich mir diese Geschichte 1993 ausgedacht habe, diese aber erst 2012 veröffentlicht wurde. Das als Teenager überlegte Ende hat mir nicht mehr so gefallen, weswegen ich mir ein neues einfallen und den alten Schluss als alternatives Ende bestehen ließ.
  • Es sieht so aus, als ob sich der Stil ungefähr ab der Mitte ein wenig ändert. Stimmt das?
    Ja, kann sein. Von dieser Kurzgeschichte habe ich mit siebzehn Jahren lediglich die Hälfte zu Papier gebracht. Erst achtzehn Jahre später habe ich in meinem Sommerurlaub wieder an diese Geschichte gedacht und mir kurz überlegt, ob ich sie wegwerfen, weiterführen oder komplett natürlichsprachlich formulieren soll. Ich habe mich dann zur Fortsetzung in diesem Reimstil entschlossen, unter anderem um meine Wortfindung wieder zu trainieren.
  • Warum haben Sie diese Geschichte veröffentlichen lassen?
    Eigentlich wollte ich von meinen alten Werken aus meiner Jugend gar nichts veröffentlichen, habe mich bei dieser Geschichte aber umstimmen lassen, da ich wissen wollte, wie sie anderen Leuten gefällt. Selbst kann ich das schwer einschätzen, da einfach viele Erinnerungen an meine Jugendzeit geweckt werden.

Ich würde mich über weitere Rückmeldungen für mein Erstlingswerk freuen und werde auch weiterhin Fragen beantworten.

Der Verrat

19. Oktober 2012

Ich wurde einmal als kleiner Bub verraten.

Ich turnte während der Abwesenheit meiner Eltern mit meiner Schwester auf der recht neuen Wendeltreppe. Ich kletterte immer außerhalb des Geländers möglichst weit nach oben. Da passierte es bei dem höchsten Aufstieg doch glatt, dass ich mich nicht mehr halten konnte und nach unten hüpfte. Dabei landete ich mit einem meiner kleinen Füße auf einem kleinen Tischchen mit der Lieblingspflanze meiner Mutter. Die Schmerzen in meinem Bein beachtete ich nicht, da das Tischchen ein Bein verloren hatte und die Pflanze in ihrem runden Blumentopf runter gekugelt war. Ein ziemlich großer Anteil der Erde hatte sich aus dem Topf geworfen und großflächig verteilt. Noch schlimmer war, dass die Lieblingspflanze an ihrem Stamm abgebrochen war. Einige Sekunden verharrten meine Schwester und ich nachdenklich vor dem Chaos, doch fanden wir relativ schnell aus unserer Unbeweglichkeit zurück und steckten das verlorene Bein zurück in das Tischchen, stellten den Blumentopf auf dessen Oberfläche, stopften die herausragende Wurzel der Pflanze tiefer in die Erde, pflanzten den abgebrochenen Stamm gleich daneben, hievten die meiste Erde in den Topf und staubsaugten danach den ganzen Unfallort.

Unseren Eltern fiel nach ihrer Heimkehr nichts auf. Meine Schwester und ich hatten zwei Tage nach diesem Vorfall ein schlechtes Gewissen, das sich dann jedoch bald verabschiedete, denn immerhin bemerkten unsere Eltern nichts und alles passte. Zwei Wochen nach diesem Ereignis platzte dann die ganze Sache. Als Verräter fungierte die Lieblingspflanze meiner Mutter. Sie war verstorben. Meine Mutter fragte uns, ob wir wissen würden, was da los sei, denn trotz ständigem Betreuen sei die Pflanze vertrocknet und der Stamm war neben der Wurzel in der Erde. Wegen den an uns nagenden Gewissensbissen haben meine Schwester und ich gleich gestanden und ausführlich von dem Unfall erzählt.

Anmerkung:

Mit dieser kurzen Geschichte habe ich Glück gehabt und doch glatt bei einem Gewinnspiel das Buch Die Verratenen von Ursula Poznanski gewonnen (-> siehe meinen Post auf lovelybooks.de).

Erste Rückmeldungen

15. Oktober 2012

Ich habe in den letzten Tagen die ersten Rückmeldungen über Entlassen – Und endlich in Freiheit erhalten.

Kurze Zusammenfassung des Feedbacks:

  • Den meisten Lesern gefällt der Reimstil gar nicht.
  • Der Inhalt gefällt den meisten (die bis zum Schluss gelesen haben).

Ich kann mich gar nicht mehr daran erinnern, warum ich diese Geschichte in diesem Stil verfasst habe. Vielleicht kam die Inspiration von Goethes Faust. Ich habe dieses Werk im Jahre 1993 ja nochmals gelesen, um mich auf meine bevorstehende Matura vorzubereiten.

Auf alle Fälle danke ich allen Lesern, die mir Rückmeldungen geschickt haben, die mich nach langer Zeit die Qualität dieser Geschichte einschätzen lassen. Ich würde mich aber über weitere Rückmeldungen freuen.

„Entlassen und endlich in Freiheit“

9. Oktober 2012

Vor kurzer Zeit wurde „Entlassen und endlich in Freiheit“ von mir veröffentlicht. Es handelt sich dabei um eine Kurzgeschichte mit Reimen (aber ohne Rücksicht auf das Versmaß) über einen aus der Haft entlassenen Mann, dem es schwerfällt in einem normalen Leben wieder Fuß zu fassen.

Kurzbeschreibung:

Ein Mann wurde wegen Raubmord vor Gericht gestellt. Trotz andauernder Beteuerung seiner Unschuld wurde er zu achtzehn Jahren Haft verurteilt. Sein bis dahin junges Leben hat sich während dem Absitzen seiner Strafe gänzlich verändert. Er wurde ohne vorzeitige Begnadigung entlassen und versucht nun wieder in seinen damaligen Lebensstil zurückzufinden.

Die ersten neun Tage nach seinem Entlassen hält er in kurzen, sich reimenden Einträgen in seinem Tagebuch fest. Er versucht sich wieder ein schönes Leben mit einer Frau und einem Job aufzubauen. Das ist nach so langer Haft jedoch nicht allzu einfach. Es gibt Höhen und Tiefen an den in seinem Tagebuch erfassten Tagen.

Auf Amazon:
Entlassen – Und endlich in Freiheit